Das Allunions-Forschungsinstitut für technische Ästhetik der UdSSR

1962 wurde das Allunions-Forschungsinstitut für technische Ästhetik kurz VNIITE (Всероссийский научно-исследовательский институт технической эстетики kurz ВНИИТЭ) in Moskau gegründet. Unter der Direktion von Juri Solowjew (1920-2013) war das VNIITE für die Gestaltung technischer Produkte in der UdSSR zuständig. Am VNIITE sollten sowohl eigene Designprodukte geschaffen werden, als auch eine technische Ästhetik weiterentwickelt werden. Zugleich vertrat das VNIITE die Sowjetunion im weltweiten Designerdachverband ICISD.

Das VNIITE war ein sogenanntes „Erste Klasse-Institute“, was bedeutete, dass das Institut mit einigen Privilegien ausgestattet war. Beispielsweise war die Bezahlung der VNIITE-Mitarbeiter_innen vergleichsweise hoch. Die Bibliothek des VNIITE konnte ohne Einschränkung Fachliteratur – auch aus dem nicht-sozialistischen Ausland – kaufen. Im Laufe der Zeit war der Bücherbestand so hoch, dass die Informationsabteilung des VNIITE eine Zweigstelle für Design der staatlichen Bibliothek der UdSSR wurde. Parallel dazu war das VNIITE ebenso verantwortlich für die Organisation und Konzeption von Design-Ausstellungen. Die erarbeiteten Ausstellungen wurden nicht nur in der Sowjetunion gezeigt, sondern wanderten ebenso durch Westeuropa. Beispielsweise zeigte 1976 das Design-Center Stuttgart mit „Der sowjetische Designer“ zum ersten Mal eine Ausstellung aus der UdSSR in der Bundesrepublik.

Neben der Bereitstellung und Verbreitung von Designinformationen besaß das VNIITE auch Abteilungen, welche sich mit der konkreten Gestaltungsaufgaben beschäftigten: 1. Technische Güter, 2. Alltagsgegenstände, 3. Verkehrsmittel und später 4. Ergonomie. Gleichzeitig gab es am VNIITE eine Theorieabteilung, in welcher Kunsthistoriker, Historiker, Architekturhistoriker und Methodologen arbeiteten. Hier sollten Grundlagen für ein wissenschaftlich-technisches Vorgehen im Designprozess gelegt werden. Neben sowjetischen Theoretiker bezog man sich ebenso auf ausländische Denker wie John Ruskin, Heinrich Wölfflin, William Morris oder Gottfried Semper.

Neben der Zentrale in Moskau unterhielt das VNIITE noch mehrere Außenstellen in den verschiedenen Teilrepubliken: Baku, Charkow, Jerewan, Kiew, Leningrad, Minsk, Riga, Swerdlowsk, Tallinn, Tbilisi und Vilnius. Diese Dependancen bearbeiteten meist Gestaltungsaufgaben für regionale Industriezweige und waren daher meist auf Sparten der Konsum- und Investitionsgüterbranche spezialisiert, wie die Automobil- oder Schienenverkehr. Eines der erfolgreichsten Produkte war die Straßenbahn KTM-5, die durch das VNIITE gestaltet worden war. Ein weiteres bekanntes Ergebnis war beispielsweise eine Konzeptstudie für ein Taxi von 1964, dass nach neuesten Erkenntnissen der Ergonomie gestaltet worden war, siehe hierzu den Werbefilm:

International besonders in Erscheinung getreten war das VNIITE als Organisator des ICSID-Kongresses von 1975. Zu dem Tagungsthema „Design für den Menschen und die Gesellschaft“ versammelten sich über 1.000 internationale Designer_innen aus Ost und West im Moskauer Hotel „Rossija“ und besprachen 5 Themenkomplexe: „Design und Staat“, „Design und Wissenschaft“, „Design und Arbeit“, „Design für Kinder“ und „Design und Freizeit“. Aus deutscher Perspektive war besonders spannend die Tagungssektion „Design und Staatspolitik“, auf der Juri Solowjew (VNIITE Moskau), François Burkhardt (damals IDZ West-Berlin), Tomás Maldonado (Università di Bologna) und Martin Kelm (damals AIF Ost-Berlin) ihre Argumente austauschten. Zwar stand der ICSID-Kongress 1975 unter dem Zeichen einer Entspannung im Kalten Krieg, ohne einen diplomatischen Skandal lief jedoch auch diese Veranstaltung nicht ab. Die UdSSR verweigerte den ICSID-Delegationen aus Israel, Südafrika, Taiwan und Südkorea die einreise. Daher musste die IX. Generalversammlung des ICSID im Herbst 1975 in Brüssel nachgeholt werden. Aber laut Bericht der DDR-Delegation konnten „provokatorische Ansichten seitens westlicher Vertreter nicht festgestellt werden“.

Neuere Forschungen zur DDR-Designgeschichte

Fast eine Generation ist mittlerweile seit dem Ende der DDR vergangen. Die Historisierung der Entwicklung Ost-Deutschlands zwischen 1945-1990 ist ein ständiger Begleiter seit der deutsch-deutschen Wiedervereinigung. Viele Diskussionen und Debatten in den 1990er Jahren waren noch durch die zeitliche Nähe geprägt. Kam es in den 2000er Jahre zu einer teilweise verklärenden „Ostalgie“-Welle, so ist der Umgang mit der Geschichte der ehemaligen DDR in den 2010er Jahren weniger durch emotionale als durch sachliche Zugänge geprägt. Immer stärker in den Fokus rücken dabei auch die Designentwicklungen in dem ehemaligen Arbeiter&Bauern-Staat.

Einsatz von Plaste im Chemie-Apparatebau Im VEB Maschinen- und Apparatebau Staßfurt (11.12.1967), Bundesarchiv, Bild 183-F1211-0017-001, von Steffen Ritter, CC-BY-SA

Ein Buch „Gutes Design – Martin Kelm und die Designförderung in der DDR“ zum Thema DDR-Design wurde vor einigen Monaten von Christian&Sylvia Wölfel sowie Jens Krzywinski herausgegeben. Zentraler Akteur der verschiedenen Beiträge ist Martin Kelm. Nach seiner vielsagenden Dissertation „Produktgestaltung im Sozialismus“ war er von 1972 bis 1990 Leiter des Amtes für industrielle Formgestaltung der DDR. Zentrales Ziel dieses Buchprojekts war es die autobiographischen und subjektiven Erinnerungen von Martin Kelm zum DDR-Design zu veröffentlichen. Beispielsweise gelingt Anne Sudrow durch eine historische Re-Lektüre der Dissertation von Kelm eine sehr überzeugende Historisierung dieser Publikation. Geschichtswissenschaftliche Aufarbeitungen von Designer-Biographien in der SED-Diktatur stehen allerdings noch aus.

Spannend ist das Thema der Transformationsprozesse um das Jahr 1990. In ihrem Beitrag vom 16.01.2015 beschäftigt sich Sylvia Wölfel mit diesen Transformationsprozessen für die ostdeutschen Industriedesigner. Die Frage nach den sich verändernden Rahmenbedingungen betraf 1989/90 Ost- und Westdeutsche. Für beide Seiten war unklar, wie zusammen wächst was „zusammen gehört“. Dieses Forschungsfeld wird sicherlich in Zukunft noch viele Fragen und zugleich spannende Antworten hervorbringen.

Designgeschichte wird häufig vom Objekt aus geschrieben – und weniger von Personen oder sozialen Handlungsfeldern. In den letzten Jahren hat sich auf dem Gebiet der institutionellen Sammlung der DDR-Designobjekte einiges entwickelt. Nach dem ostdeutschen Design und sein Bezug zur Gegenwart suchte beispielsweise Robin Nagel. Ganz konkret tun dies beispielsweise die zwei zentralen Sammlungen in der Bundesrepublik zum Thema DDR-Design sind in Berlin und München. Viele Bestände der „Sammlung industrielle Gestaltung“ wurde vom Amt für industrielle Formgebung der DDR als für Studienzwecken und als Archiv zusammengetragen. Seit 1994 ist sie in der Kulturbrauerei in Berlin-Prenzlauer Berg untergebracht. Im Jahr 2005 wurde die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland Rechtsträger der „Sammlung industrielle Gestaltung“. Der Beitrag Johanna Sänger in den Zeithistorischen Forschungen gibt in diese Sammlung und deren Potenziale für eine Geschichte zur materialen Kultur der DDR. Ab Herbst 2013 wird in der Kulturbrauerei der „Alltag in der DDR“ in Form einer Dauerausstellung präsentiert. Geplant sind Wechselausstellungen, die sich auch mit der Designgeschichte im ehemaligen Arbeiter&Bauern-Staat auseinandersetzen werden. Die größte und wohl bedeutendste private Sammlung zum DDR-Design von Günter und Claudia Höhne ist seit 2012 in der Obhut der Neuen Sammlung in der Pinakothek der Moderne München. Als „Sammlung Höhne“ wird sie dort derzeit erfasst, dokumentiert und systematisiert. Im Laufe der nächsten Jahre soll die Sammlung der Forschung und Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Es liegt daher durchaus nahe zu vermuten, dass das Design aus der ehemaligen DDR in der Zukunft vermehrt im Fokus der Öffentlichkeit, der Museen und auch der kunst- und designhistorischen Forschung stehen wird. Wünschenswert wäre dies alle mal.

DDR- und BRD-Design – Gemeinsamkeiten und Unterschiede

In aktuellen Debatten rücken Gemeinsamkeiten im Design aus West- und Ostdeutschland verstärkt in den Fokus. Eine Sammlungspräsentation zu dieser Thematik beschäftigt sich derzeit im Neue Museum – Staatliches Museum für Kunst und Design in Nürnberg, in Kooperation mit der Neuen Sammlung München. Ziel dieser kleineren Ausstellung ist es zu zeigen, welche Gegenstände links und rechte der „Mauer“ ganze Generationen prägten.[1] Dabei soll „nicht nur eine Zusammenschau vergleichbarer, gestalterischer Lösungen und übergreifender Phänomene, sondern auch Einblicke in unterschiedliche Herangehensweisen“ entstehen.[2]
Das NMN präsentiert in einem Raum insgesamt 88 Objekte aus Ost und West, sortiert nach sieben Themengebieten. Neben „Klassikern“ des Designs wie Nich Roerichts TC 100-Hotelgeschirr oder Mart Stams Werkstattstuhl werden viele weitere Gegenstände zur Schau gestellt, die mitunter weniger bekannt sind. Alle Objekte verbindet, dass sie – so die Kurator_innen – den Alltag eines Konsumenten prägten.

Blick auf die Sektion der Tisch- und Hängelampen, Photo von Yves Vincent Grossmann

Bei der Aufstellung der jeweiligen Gegenstände fällt auf, wie wenig sich die gefundenen Designlösungen aus Ost und West teilweise unterscheiden. Welche Kaffeemühle, Tischleuchte oder Schreibmaschine mit oder ohne „Made in West-Germany“ produziert wurde, lässt sich heute auf den ersten Blick kaum noch zielsicher sagen. Es gelingt den Ausstellungsmachern dadurch bei vielen Alltagsgegenständen zu zeigen, wie vergleichbar das Design aus DDR und BRD teilweise war. Wenn man sich dabei die Aussage von Martin Kelm in Erinnerung ruft, dass es nur ein „Design im Sozialismus“ und kein „sozialistisches Design“ gäbe, dann lässt sich diesbezüglich in der Sammlungspräsentation dazu wenig finden. Vielmehr bekommt der Betrachter den Eindruck vermittelt, es gäbe nur „ein“ deutsches Design – unabhängig von dem jeweiligen Wirtschaftssystem. Selbstverständlich ist dies nicht das Ziel der Kurator_innen aus Nürnberg und München.

Blick auf die Sektion der Küchenobjekte, Photo von Yves Vincent Grossmann

Die Ausstellung im NMN ist vielmehr ein interessanter Beitrag zur Frage, welche Gemeinsamkeiten und Divergenzen im Design von Ost und West erkennbar sind. Wurden während dem Systemkonflikt eher die Unterschiede betont, so werden seit den 2000er Jahren häufig die einigenden Elemente hervorgehoben. Es besteht bei dieser Darstellung rasch die Gefahr, Verbindendes oder Unterscheidendes zu stark zu betonen. Die Ausstellung in Nürnberg positioniert sich interessanterweise dahingehend, dass sie Gemeinsamkeiten stärker betont. Ob sich diese Deutung verallgemeinern lässt, müssen weitere Studien zur deutsch-deutschen Designgeschichte zeigen.

[1] Internetseite zur Sammlungspräsentation: http://www.nmn.de/de/sammlung/aktuell-in-der-sammlung/east-and-west-ddr-brd.htm.
[2] Wandtafel zur Ausstellung.

Visions of Sustainability in Design History

Gary Anderson and his original design of the recycling logo, by Gary Anderson, CC BY-SA 3.0

The term „sustainability“ has become increasingly importance in many social debates. Current design history research looks at the aspect of „sustainability“ as well. In mid-June this year, a workshop entitled „Environmental Histories of Design“  was organized by the Norwegian Professor Kjetil Fallan (University of Oslo) along with Finn Arne Jørgensen (Umeå University) at the Rachel Carson Centre at the Ludwig Maximilian University in Munich. A Norwegian research group has been working on aspects of sustainability in design history since 2014. The team, led by Kjetil Fallan, runs its own research blog: www.backtothesustainablefuture.net.

The aim of the workshop in Munich was to discuss previously disregarded historical ties of design and sustainability. The contributions can be grouped into two different approaches. Arguments were either object or discourse-oriented, while both approaches have their advantages. More relevant is what questions are being asked. I methodically pursued a discourse analysis approach, thus it was very exciting for me to see how international colleges work with discourse analyses on design topics. I will briefly introduce three examples and bring in some thought of mine.

The debates in West Germany about design and obsolescence were explored by the Wuppertal Professor Heike Weber. The aspect of a planned life cycle of objects is currently discussed controversially. From a design historical perspective, we know relatively little about this topic. Weber argued, rightly so, that the life cycles of consumer items in the 20th century must not have necessarily reduced. This simplistic story must be questioned critically. The importance of the designer can certainly provide information about the historical development in the field of obsolescence.

The Norwegian Ida Kamilla Lie (University of Oslo) presented first results of her PhD project (based on her master’s thesis), in which she dealt with Victor Papanek’s importance for Scandinavian design discourses. Papanek was active, from 1966 to 1970, in the Scandinavian Design Students Organization (SDO). Particularly important was the question of the social responsibility of designers to society. Lie pointed out,that Papanek played a key role for the former generation of buddying designers. At the same time, this example is a profound analysis of how design discourses were already globalised in the 1960s and 1970s and then rapidly and widely adopted.

Diagram_Tags_Umwelt

But what did the relationship of environmentalism and design mean in relation to the Federal Republic of Germany? I will try to discuss this shortly on the basis of published articles about environment and industrial design. The following graph shows the time distribution of published debate contributions, such as books, newspaper or magazine articles, which deal with „Umwelt“. This visualization of my literature database illustrates that the concept of environment was addressed from the 1960s to the 1990s onwards. Striking is the rapid increase from 1970 to 1972. A likely explanation could be the publication of Victor Papanek „Design for the Real World – Human Ecology and Social Change“ from 1971, as well as the publications of the Institut für Umweltplanung at Ulm (the successor of the Hochschule für Gestaltung Ulm). Papaneks book introduced the term “international environment” to the design discourse and experienced a varied reception.

Another interesting feature of this statistical distribution are the major differences between the years 1973-1974 and 1975-1976. The strong increase from 1973 to 1974 could be interpreted by the effects of the first oil crisis. This was a relevant development, which also affected the work of industrial designers. However, this shows that the environment was discussed by Papanek’s initiative in the Federal Republic until 1972. In the year 1973 significantly fewer players were published on aspects of the environment. This discussion is related again to the context of the oil price crisis of 1974.

The difference from 1975 to 1976 seems plausible if one considers that at the international ICSID Congress in Moscow 1975, the newly established Working Group „Environment and Design“ presented its results. The results of the ICSID working group were followed by a lot of West German Design, but not discussed further during the year 1976. Gabriele Oropallo (University of Oslo) deals with this aspect in his doctoral thesis. He presented parts of his research results at the above-mentioned workshop at the Rachel Carson Centre. Oropallos research will problematise and analyse the ICSID group, headed by GDR designer Martin Kelm. Remarkably, the contemporary understanding of the term environmental “Umwelt” is not congruent with the current meaning. Nevertheless this shift in meaning is also a big challenge for all researchers‘ in the history of design.

Was lässt sich im Osten für den Westen finden?

Pures Verkehrschaos, dem Bahnstreik im letzten Oktober war nicht zu entkommen. Ich war für zwei Wochen in der deutschen Hauptstadt um in verschiedenen Archiven zu recherchieren und dann das. Meine Unterkunft im Süden von Berlin, verkehrsstrategisch günstig an der S25 gelegen, erwies sich als denkbar schlechter Ort, um während den Streiktagen durch die Metropole zu fahren. Aus der Not lässt sich manchmal eine Tugend machen, für mich wurden die Andrews Barracks das naheliegende Ziel. In der ehemaligen Preußischen Hauptkadettenanstalt aus dem 19. Jahrhundert, später die Kaserne der Leibstandarte SS Adolf Hitler und ab 1945 dann Dienstort vieler amerikanischer Soldaten in West-Berlin, befindet sich heute der Standort Berlin-Lichterfelde des Bundesarchivs. Die Akten aus der ehemaligen DDR, deren Parteien und Massenorganisationen werden dort archiviert.

Da das Bundesarchiv nur einige Fussminuten von meiner Unterkunft war, der Bahnstreik den öffentlich Nahverkehr quasi zu erliegen brachte und zuhause keinen guten Arbeitsplatz hatte, beschloss ich notgedrungen nach eventuellen Quellen für mein Promotionsthema zu suchen. Die zentrale, aber natürlich improvisierte Fragestellung für mich war dabei, welche Erkenntnisse könnten sich in den Akten des Amts für industrielle Formgebung für meine Arbeit finden lassen? Das Stichwort, welches mir vorschwebte war „Parallelüberlieferung“. Mir war bekannt, dass das Internationale Designzentrum (West-)Berlin, der Rat für Formgebung und das Amt für industrielle Formgebung ab Mitte der 1970er Jahre regelmäßig in Kontakt standen und ab den 1980er Jahren auch wechselseitige Besuche sowie Ausstellungen organisierten. Dass zu all diesen Ereignissen und Entwicklungen sicherlich Akten angelegt wurden, war naheliegend.

Das Bundesarchiv hat vor einiger Zeit ein neues Online-Recherche-Werkzeug entwickelt: Invenio. Vorrecherche und Bestellung ließen sich darüber problemlos und einfach tätigen. Ich war damit rundum zufrieden – laut Saalauskunft war ich damit aber eine große Ausnahme. Vor Ort konnte ich dann in der Tat einige Archivalien des Amts für Formgebung beispielsweise zum Rat für Formgebung, dem Internationalen Designzentrum Berlin oder den Treffen des International Council of Societies of Industrial Design (ISCID) finden.

Mit etwas Abstand habe ich für mich folgende Schlüsse aus meinem Aufenthalt im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde gezogen: 1. im AiF wusste man sehr gut über die bundesdeutschen Designentwicklungen Bescheid. Die Sammlungen von Zeitungsausschnitten, Preisausschreiben und Presseinformationen waren vielfältig. 2. Angehörige des AiF besuchten regelmäßig Veranstaltungen und Ausstellungen des IDZ Berlin. Laut internen Sofortberichten engagierte man sich zwar kaum an Diskussionen etc., jedoch alle Neuerungen, Trends und Entwicklungen aus dem „nicht-kapitalistischen Ausland“ wurden aufmerksam notiert. 3. Für Warenproben fuhren regelmäßig Mitarbeiter_innen über die Sektorengrenze, um in westdeutschen Kaufhäusern verschiedene Warenproben zu nehmen, wie beispielsweise Kinderspielzeug oder Kunststoffdosen. Das AiF versuchte auf diese Weise Studienmaterial für ostdeutsche Designer zu gewinnen. Skurril wirken dabei etwas die „Warenproben“ kurz vor Weihnachten. 4. Die Papierberge, die produziert bzw. eher beschrieben wurden, waren und sind riesig.