Ernst Schneider: Ein Industrieller und Designförderer

Büstenportrait von Ernst Schneider im Schloss Lustheim

Ernst Schneider (06.10.1900-22.09.1977) war in der Mitte des 20. Jahrhunderts eine der prägenden Figuren in der bundesdeutschen Wirtschaftsgeschichte. Am Anfang seines beruflichen Werdegangs wurde Schneider 1925 als promovierter Jurist Direktionsassistent bei der Kohlensäure-Industrie AG. Im Jahr 1932 wurde er Teilhaber des Konzerns, der seine Unternehmensaktivitäten in den pharmazeutisch-kosmetischen Bereich ausgebaut hatte. Nach der erzwungenen Emigration des Firmengründers aus Deutschland übernahm Schneider 1933 alle Firmenbeteiligungen seines ehemaligen, jüdischen Partners. Jedoch sollen beide ein geheimes Übereinkommen über die spätere Rückgabe der Anteile gehabt haben. Die noch heute existierende Mundwasser-Marke ,Odol‘ war dabei das bekannteste Produkt aus Schneiders Firmenkonglomerat.

Parallel zu seinen Tätigkeiten als sogenannter Industrieller war Schneider von 1949 bis 1968 Präsident der IHK zu Düsseldorf in der Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen. Von 1963 bis 1969 leitete er als Präsident den wichtigen Deutschen Industrie- und Handelstag. Zur Zeit der ersten großen Koalition im Bund war Schneider einer der zentralen Akteure bei wirtschaftspolitischen Themen. Da sein Wort in Bonn großes Gewicht hatten, war Schneider ein gern gesehener Gast bei Interviews oder Diskussionen in der damaligen, westdeutschen Presselandschaft.

1967 verlieh ihm die Landesregierung von Nordrhein- Westfalen einen Professorentitel und 1969 wurde er für seine Verdiente mit dem großen Bundesverdienstkreuz geehrt. Schneider war darüber hinaus ein passionierter Porzellansammler, sodass er beachtliche Stücke zur Geschichte des Meisner Porzellans erwerben konnte. Dieses Hobby und die

Bildrechte bei dem Bayerischen Nationalmuseum München, Lizenz: CC0 1.0 Universell (CC0 1.0)

Sammlung von zeitgenössischer Kunst pflegte er nach seinem Rücktritt 1969. Mit dem Freistaat Bayern kam er überein, dass er seine Sammlung als Dauerausstellung zum Porzellan dem Bayerischen Nationalmuseum übermachte. Diese ist noch heute in Lustheim beim Schloss Oberschleißheim der Öffentlichkeit zugänglich.

 

Obwohl Schneider kein Designer von Beruf war, ist er für die bundesdeutsche Designgeschichte dennoch von Bedeutung. Denn Schneider mehre wichtige Positionen inne hatte, so war er beispielsweise Gründungsmitglied und erster Vorsitzender des Gestaltkreises (1965-1977. Gleichzeitig leitete er als Präsident den Rat für Formgebung (1963- 1977) und war ebenso Mitgründer sowie Vorsitzender des IDZ Berlin (1969-1977) tätig. Neben diesen drei wichtigen Stellungen war Schneider darüber hinaus bei vielen Initiativen, beispielsweise zu Fragen der Designer-Ausbildung, beteiligt. Besonders half er mit seinen vorzüglichen Verbindungen in die Bundespolitik, dass Probleme der Gestalter in Bonn Ernst genommen wurden.

Grabstein von Ernst Schneider im Schloss Lustheim

Die Überlieferung an Quellen zu Ernst Schneider verteilt sich auf mehrere Archive, das Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchiv zu Köln bewahrt besonders viele Unterlagen von ihm aufbewahrt. Ob ein historisches Unternehmensarchiv von Schneiders Firmen ein Nachlass oder Ähnliches existiert, ist leider gegenwärtig nicht bekannt.

 

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Der, design report‘ des Rats für Formgebung

Am 20. September 1972 erschien die erste Ausgabe des ,design reports‘. Als Pressedienst des Rats für Formgebung sollte damit ein Kommunikationsorgan geschaffen werden, welches über designspezifische Themen in der Bundesrepublik und der Welt berichtete.

Im Auftrag des ehemaligen DHIT-Präsidenten und damaligen Vorsitzenden des Rats für Formgebung Ernst Schneider wurde 1969 der Vorschlag von Ernst-Jörg Kruttschnitt im RfF-Vorstand behandelt, einen monatlichen Design-Pressedienst zu konzipieren. Der Leiter der Informationsabteilung im DIHT entwarf dabei das Konzept, sodass sich der ,design report‘ zuerst als Pressedienst für nationale sowie lokale Zeitungen und Zeitschriften verstand. Hauptziel waren die jeweiligen Wirtschafts- und Feuilletonredaktionen. Daneben sollten Bundestagsabgeordnete und sonstige interessierte Kreise beliefert werden. Aus diesem Grund waren bis 1985 viele der Texte häufig in der Form von Kurznachrichten verfasst. Selten ging ein Bericht länger als zwei Seiten. Denn aus Sicht der Redaktion bestand so die Hoffnung, dass kürzere Texte wahrscheinlicher von der Presse übernommen und gedruckt wurden.

Zuerst lief das Projekt intern unter dem Titel „du-Report“, wobei hier noch Design und Umwelt zusammen im Pressedienst abgedacht werden sollten. Da in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre bis zur ersten Ölpreiskrise 1973/74 das Schlagwort ,Umweltgestaltung‘ vielfach in designspezifischen Debatten benutzt wurde, war die Verwendung der beiden Schlagwörter zuerst nichts ungewöhnliches. Da man jedoch eine Verwechslungsgefahr mit einer gleichlautenden Schweizer Zeitschrift sah, entschied man sich im Rat für Formgebung für den späteren Titel ,design report‘.

Mitte 1971 wurde Kyra Stromberg mit dem Entwurf einer Null-Nummer beauftragt. Nachdem der Vorstand des Rats für Formgebung seine Zustimmung und das Bundeswirtschaftsministerium die entsprechenden Gelder bewilligte, konnte der ,design report‘ im Spätsommer 1972 erscheinen. Die Redaktion übernahmen dabei Ernst-Jörg Kruttschnitt und dessen Mitarbeiterin Dr. Gerda Wülker in Bonn. Der Pressedienst erschien monatlich, kostenlos und hatte Ende 1973 schon eine Auflage von ca. 1.350 Exemplaren.1

Im Jahr 1974 kam es zu einer Neukonzeption des ,design reports‘ durch Gisela Brackert. Als Journalistin und im Rat für Formgebung für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, entwickelte sie den Pressedienst im Auftrag des Vorstands weiter. Ab 1975 wurde der ,design report‘ daher in Darmstadt entworfen und bearbeitet. Gleichzeitig beauftragte man auf der Mathildenhöhen eine Graphik-Designer mit einer optischen Aufwertung. Denn der Pressedienst erschien bis dahin vergleichsweise schlicht und eher zweckdienlich. Der Hintergrund war, dass der ,design report‘ zunehmend als Visitenkarte des Rats für Formgebung gesehen wurde und damit größeren Ansprüchen genügen musste.2

Da das Bundesministerium für Wirtschaft ab 1982 die finanziellen Mittel für den Rat für Formgebung wesentlich einschränkte, mussten dort zunehmend Design-Dienstleistungen und das Mitarbeiterpersonal reduziert werden. Ab 1985 konnte daher der Rat den ,design report‘ nicht mehr kostenlos zur Verfügung gestellen werden. Da jedoch nur wenige Abonnenten bereit waren für diesen Service zu zahlen, sahen sich der damalige fachliche Leiter Ulrich Kern gezwungen, diesen Pressedienst vorerst einzustellen.

Im Kontext von weitreichenden Umstrukturierungen beim Rat für Formgebung, einem Umzug nach Frankfurt am Main und mit der Neuberufung von Michael Erlhoff als fachlicher Leiter und Geschäftsführer gelang es auch den ,design report‘ wieder aufleben zu lassen. Die Publikationart wurde dabei wesentlich geändert, denn nun erhielt der ,design report‘ zwar den Zusatz ,Bulletin des Rats für Formgebung‘, er sollte aber nicht mehr als internes Mitteilungsblatt fungieren. Vielmehr rief Erlhoff auch Autoren außerhalb des Rats dazu auf Texte, Kritiken und Anregungen einzureichen.3

Der ,design report‘ ist neben der Zeitschrift ,form‘ und der werkbundeigenen ,Werk und Zeit‘ das zentrale Periodika für eine bundesdeutsche Designgeschichte. Zu allen wesentlichen Debatten und Entwicklungen nach 1972 wurde dort berichtet. Daher ist der, design report‘ für die designhistorische Forschung eine kaum zu überschätzende Quelle. Keine designbezogene Geschichtsschreibung kommt ohne diese Zeitschrift aus. Leider gibt es bis heute – im Gegensatz beispielsweise zur ,form‘ oder ,form + zweck‘ – kein Digitalisierungsprojekt zur Erschließung dieses Literaturbestands.

1) Rat für Formgebung (Hrsg.) (1973): Tätigkeitsbericht 1973, Darmstadt, S. 14.
2) Gisela Brackert (1975): In eigener Sache, in: design report (4), S. 5.
3) Rat für Formgebung (Hrsg.) (1988): Lexikon 1987 – Ein Tätigkeitsbericht, Frankfurt, S. 42f und ebenso Elke Trappschuh (1987): Der Rat für Formgebung wurde wiederbelebt, in: Handelsblatt, vom 27.02.1987.

 

[aktualisiert am 24.01.2018]