“Design for City Environment” – The Interdesign Seminar 1980 in Tbilisi

The idea of a city as an environment for living came on the agenda of the designers during the 1970s. This was connected for the designer with an interdisciplinary approach, especially with architects and city planners. One prominent example for this is an international seminar in Georgia in the fall 1980.

The seminar “Design for City Environment” was held from the 6th to the 18th October 1980 in Tbilisi. It was organised within the seminar series by the Soviet VNIITE in cooperation with the ICSID, the IAA (International Association of Art), the ISOCARP (International Society of City and Regional Planners), the ICOGRADA (International Council of Graphic Design Associations), the ICOMOS (International Council of Monuments and Sites), the IFI (International Federation of Interior Designers), the IFLA (International Federation of Landscape Architects), the UIA (International Union of Architects) and the WCC (World Crafts Council).1

The 34 participants came from the USSR and from Western countries.2 The professions were widely mixed, thus designers, architects, and met in the capital of the Georgian Soviet Republic at the regional office of the VNIITE. Tbilisi itself was chosen because of a number of its features: there was a combination of a national tradition as well as modern architecture. The city was with over a million inhabitants hugh and had a situation with special climatic conditions.3

View via Tbilisi, Lotkini is in the center behind the trinity cathedral

The interdesign seminar had the aim to find methods to build the environment of a big city within an urban growth and a massive increase of population.4 To study such questions the participants looked at the Lotkini district in Tbilisi (ლოტკინი), were 17 000 new accommodations were planned. During the interdesign the (international) experts tried to find answers on functional, aesthetic, and socio-cultural problems. Questions like the functional organization of a district, the public services, greenery, design and visual communication, and applied arts. The designer especially looked for aspects on graphic design, secondary architecture, and usability. At the end of the seminar the participants submitted a general concept for the district development for housing, industrial complexes, transport infrastructure, and public spaces.5

View via Tbilisi

The “Interdesign 1980” was the first seminar with international and interdisciplinary cooperation, which tried to solve problems of building a human environment. Furthermore it was a kind of opening for the Soviet Design authorities – like the VNIITE with Yuri Soloviev – to Western experts.6 But this seminar also showed also how limited the possibilities of ideas and plans were. At least only few points from the interdesign seminar found their way into the Lotkini district.

1 Unbekannt (1980): „Stadt-Design“ als Interdesign-Seminar in Tbilissi vom 6. bis 18. Oktober 1980, in: form (90), p. 80.

2 Belgium, Bulgaria, Czechoslovakia, Finland, France, Great Britain, GDR, Hungary, Italy, Norway, Poland, Switzerland, Venezuela and the Soviet Union.

3 Unknown (1980): Interdesign ’80 Tbilisi/USSR, in: ICSID-News (November/December), pp. 2-3.

5 Like footnote 3.

6 For further reading Tom Cubbin’s article (https://academic.oup.com/jdh/article-abstract/30/1/16/2623682/Postmodern-Propaganda-Semiotics-environment-and?redirectedFrom=fulltext) and Yulia Karpova’s PhD thesis from 2015 (www.etd.ceu.hu/2015/karpova_yulia.pdf), pp. 328, are an excellent starting point.

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Designgeschichte aus Afrika mit der Münchner Ausstellung „Flow of Forms/Forms of Flow“

Gegenwärtig zeigt eine Ausstellung in München aktuelle Designpraxen in Afrika. Designhistoriographische Rückblicke haben die Kuratorinnen ebenfalls eingebaut, auch wenn sie nicht den Schwerpunkt dieser Ausstellung bilden. Der Untertitel „Designgeschichten zwischen Afrika und Europa“ bezieht sich somit vielmehr auf der Kontextualisierung verschiedener Designobjekte der Gegenwart. Unter der Konzeption der Kunsthistorikerin Prof. Dr. Kerstin Pinther und der Designerin Alexandra Weigand haben Studierende am Institut für Kunstgeschichte der LMU München diese Ausstellung verwirklicht. Ausgehend von einem zweisemestrigen Seminarprojekt beschäftigten sie sich mit der aktuellen Gestaltung auf dem afrikanischen Kontinent. Eine solche Lehrveranstaltung hat sicherlich viele Vorzüge für Studierende, da dadurch praktische Erfahrungen gesammelt und zugleich konkrete Umsetzungsfragen bearbeitet werden können.

Insgesamt vier Institutionen zeigen die Ausstellungsstationen von „Flow of Forms“: der Kunstraum, das Museum der fünf Kontinente, die Galerie Karin Wimmer und das Architekturmuseum der TU München. Man würde in diesem Zusammenhang auch die Neue Sammlung erwarten, die leider nicht dabei ist. Prominente Geldgeber wie die Kulturstiftung des Bundes, das Kulturreferat der Landeshauptstadt München, die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung und viele weitere haben die Finanzierung des Ausstellungsprojekts übernommen.

Die Ausstellung wird digital durch einen WordPress-Blog begleitet, auf dem die Studierenden im Laufe der Zeit verschiedene Texte zu den präsentierten Designobjekten veröffentlichen. Ebenfalls sehr gelungen sind die umfangreichen Broschüren als Ausstellungsbegleitung. Sowohl die graphische Gestaltung als auch vielfach die Texte selbst wissen zu überzeugen. Obwohl die englische Überschrift eine Mehrsprachigkeit suggeriert, ist die Ausstellung und das begleitende Textmaterial auf Deutsch.

 

„Formen der Kooperation/Partizipation“ im Kunstraum München

photo-05-02-17-14-23-56Die Station im Kunstraum widmet sich sozialen und politischen Dimensionen des Designs. Mit Victor Papanek beginnen die Kuratorinnen dabei ihre Darstellung von Do-it-yourself-Konzepte. Diese gängige DIY-Designgeschichtsschreibung erweitern sie durch einen Sprung in die Gegenwart. Mit Gestaltungsobjekten, die in Kooperation zwischen afrikanischen und europäischen Designern entstanden sind, verdeutlichen sie die Existenz verschiedener Formen der Design-Kooperationen in Afrika. Diese Projekte wirken vielfach wie Best-Practice-Beispiele für eine gelungene Verflechtungen zwischen Gestaltern und Architekten.

„Formen der Moderne“ im Museum der fünf Kontinente

photo-05-02-17-15-02-36Die Station im Museum der fünf Kontinente ist dominiert von der Reflektion über die eigene Institutionsgeschichte. Diese sehr gelungen Sektion thematisiert zuerst die Bedeutung von Formen aus Afrika (aber auch Ozeanien) für europäische Gestalter seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Anhand von eigenen Ausstellungen wird dann rekapituliert, welche Relevanz ethnographische bzw. „völkerkundliche“ Museen seit der Weimarer Republik bei der Vermittlung von Formen auf Afrika einnehmen. Mit Bespielen von aktuellen Arbeiten aus dem Graphik- und Textil-Design veranschaulichen dabei die Kuratorinnen, wie sich eine koloniale Vergangenheit in gegenwärtigen Gestaltungsprojekten wiederfindet.

„Stoff-Wechsel“ in der Galerie Karin Wimmer

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Photographie von Nino Nanobashvili

Bei der Ausstellungssektion in der Galerie Karin Wimmer befindet sich alles im Fluss oder – laut dem Begleittext – im „flow“. Hierbei stehen die Materialität und deren Neuanordnung von einzelnen Gestaltungsobjekten im Vordergrund. Unklar bleibt dabei, was unter „Stoff“ verstanden wird. Bezieht sich dies auf Textile oder doch jegliche Materialien? Analogien mit Stoffwechseln im biologischen Sinne bestehen zumindest nicht. Das Leitthema „Stoffwechsel“ lässt sich daher nur mit Mühen in den präsentierten Objekten wiederfinden. Inwiefern Stoffwechsel laut Textband ein Ausdruck für „Modernisierung, Demokratisierung, Nobilitierung und Reevaluierung [sind und auf] Materialinnovation und neue Fertigungstechniken sowie auf Entwurfspraktiken in einem globalen, transkontinentalen Kontext“ verweisen, war für mich persönlich wenig schlüssig und trug teilweise zur Verwirrung bei.

„Spekulative Formen“ und „Transform(N)ation“ im Architekturmuseum der TU München

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Photographie von Nino Nanobashvili

Das Architekturmuseum ist die einzige Institution, die gleich zwei Ausstellungsstationen – in einem verhältnismäßig kleinen Raum – zeigt. Mit „Transform(N)ation“ wird zuerst die Bedeutung von Design in den Jahren der afrikanischen Unabhängigkeitsbewegungen thematisiert. Das Wortspiel „Transform(N)ation“ wirkt dabei zwar bemüht, aber die gezeigten Bespiele wie etwa eine Hotelarchitektur oder Zeitschriften veranschaulichen bildhaft die Bedeutung von Objektgestaltung bei einer Nationenbildung. In der Sektion „Spekulative Formen“ wird hingegen gezeigt, dass die Formgebung gängige Lösungen hinterfragen kann und zugleich die Macht besitzt, neue Wege aufzuzeigen. Das Solar Sinter Project von Markus Kayser transformiert etwa den vergleichsweise lebensfeindlichen Raum einer Wüste in eine resourcenreiche Umgebung mit einem beeindruckenden Ergebnis.

 

Die Ausstellung „ Flow of Forms/Forms of Flow – Designgeschichten zwischen Afrika und Europa“ in München ist eine beachtenswerte und erfolgreiche Ausstellung zur Gestaltung in Afrika. Sowohl das Format, die verschiedenen Stationen als auch die Texte sind den Kuratorinnen als auch den Studierenden sehr gelungen. Es ist daher bedauernswert, dass die Ausstellung nur insgesamt fünf Woche bis Mitte März 2017 zu sehen ist.

Für mich persönlich interessant war dabei, wie sehr aus einer kunsthistorischer Perspektive ,Design‘ präsentiert wird. Dieser etablierte Zugang hat viele Stärken und ermöglicht etwa einen sinnvollen Vergleich mit Objekte aus anderen kulturellen Kontexten. Unter Gestaltung wird dabei jedoch meist „Kunstgewerbe“ und Architektur verstanden. Die Produktgestaltung mit hohen Stückzahlen als auch Investitionsgüterdesign existiert vermeintlich nicht. ,Design‘ wird dadurch vielmehr mit dem Label „l’art pour l’art“ belegt und aus einem kommerziellen bzw. industriellen Kontext entnommen.

Wenn man Kritikpunkte in der Ausstellung suchen würde, dann wirkt der Kontinent bei der ganzen Vielfalt von afrikanischen Designgeschichten seltsam einheitlich. Afrika erscheint als relativ monolithischer Block ohne nennenswerte lokale oder nationale Spezifika. Eine Differenzierung der verschiedenen Regionen war zumindest für mich wenig ersichtlich. Möglicherweise ist diese Fragestellung aber auch für weitere Ausstellungsprojekte und hätte bei „Flow of Forms/Forms of Flow“ den inhaltlichen Rahmen gesprengt.

Daher kann ich insgesamt ein Besuch der fünf Ausstellungsstation nur weiterempfehlen!