Neuere Forschungen zur DDR-Designgeschichte

Fast eine Generation ist mittlerweile seit dem Ende der DDR vergangen. Die Historisierung der Entwicklung Ost-Deutschlands zwischen 1945-1990 ist ein ständiger Begleiter seit der deutsch-deutschen Wiedervereinigung. Viele Diskussionen und Debatten in den 1990er Jahren waren noch durch die zeitliche Nähe geprägt. Kam es in den 2000er Jahre zu einer teilweise verklärenden „Ostalgie“-Welle, so ist der Umgang mit der Geschichte der ehemaligen DDR in den 2010er Jahren weniger durch emotionale als durch sachliche Zugänge geprägt. Immer stärker in den Fokus rücken dabei auch die Designentwicklungen in dem ehemaligen Arbeiter&Bauern-Staat.

Einsatz von Plaste im Chemie-Apparatebau Im VEB Maschinen- und Apparatebau Staßfurt (11.12.1967), Bundesarchiv, Bild 183-F1211-0017-001, von Steffen Ritter, CC-BY-SA

Ein Buch „Gutes Design – Martin Kelm und die Designförderung in der DDR“ zum Thema DDR-Design wurde vor einigen Monaten von Christian&Sylvia Wölfel sowie Jens Krzywinski herausgegeben. Zentraler Akteur der verschiedenen Beiträge ist Martin Kelm. Nach seiner vielsagenden Dissertation „Produktgestaltung im Sozialismus“ war er von 1972 bis 1990 Leiter des Amtes für industrielle Formgestaltung der DDR. Zentrales Ziel dieses Buchprojekts war es die autobiographischen und subjektiven Erinnerungen von Martin Kelm zum DDR-Design zu veröffentlichen. Beispielsweise gelingt Anne Sudrow durch eine historische Re-Lektüre der Dissertation von Kelm eine sehr überzeugende Historisierung dieser Publikation. Geschichtswissenschaftliche Aufarbeitungen von Designer-Biographien in der SED-Diktatur stehen allerdings noch aus.

Spannend ist das Thema der Transformationsprozesse um das Jahr 1990. In ihrem Beitrag vom 16.01.2015 beschäftigt sich Sylvia Wölfel mit diesen Transformationsprozessen für die ostdeutschen Industriedesigner. Die Frage nach den sich verändernden Rahmenbedingungen betraf 1989/90 Ost- und Westdeutsche. Für beide Seiten war unklar, wie zusammen wächst was „zusammen gehört“. Dieses Forschungsfeld wird sicherlich in Zukunft noch viele Fragen und zugleich spannende Antworten hervorbringen.

Designgeschichte wird häufig vom Objekt aus geschrieben – und weniger von Personen oder sozialen Handlungsfeldern. In den letzten Jahren hat sich auf dem Gebiet der institutionellen Sammlung der DDR-Designobjekte einiges entwickelt. Nach dem ostdeutschen Design und sein Bezug zur Gegenwart suchte beispielsweise Robin Nagel. Ganz konkret tun dies beispielsweise die zwei zentralen Sammlungen in der Bundesrepublik zum Thema DDR-Design sind in Berlin und München. Viele Bestände der „Sammlung industrielle Gestaltung“ wurde vom Amt für industrielle Formgebung der DDR als für Studienzwecken und als Archiv zusammengetragen. Seit 1994 ist sie in der Kulturbrauerei in Berlin-Prenzlauer Berg untergebracht. Im Jahr 2005 wurde die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland Rechtsträger der „Sammlung industrielle Gestaltung“. Der Beitrag Johanna Sänger in den Zeithistorischen Forschungen gibt in diese Sammlung und deren Potenziale für eine Geschichte zur materialen Kultur der DDR. Ab Herbst 2013 wird in der Kulturbrauerei der „Alltag in der DDR“ in Form einer Dauerausstellung präsentiert. Geplant sind Wechselausstellungen, die sich auch mit der Designgeschichte im ehemaligen Arbeiter&Bauern-Staat auseinandersetzen werden. Die größte und wohl bedeutendste private Sammlung zum DDR-Design von Günter und Claudia Höhne ist seit 2012 in der Obhut der Neuen Sammlung in der Pinakothek der Moderne München. Als „Sammlung Höhne“ wird sie dort derzeit erfasst, dokumentiert und systematisiert. Im Laufe der nächsten Jahre soll die Sammlung der Forschung und Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Es liegt daher durchaus nahe zu vermuten, dass das Design aus der ehemaligen DDR in der Zukunft vermehrt im Fokus der Öffentlichkeit, der Museen und auch der kunst- und designhistorischen Forschung stehen wird. Wünschenswert wäre dies alle mal.

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