Gustav Stein: Politiker, Kunst- und Designförderer

Gustav Eugen Stein (19.04.1903-21.10.1979) wurde 1903 in Duisburg geboren. Nach dem Abitur und einer kaufmännischen Lehre studierte er Rechtswissenschaft in Tübingen, Köln und Münster. 1929 legte er sein Referendarexamen und 1933 sein Assessorexamen in Berlin ab. 1934 ging er als Rechtsanwalt an das Oberlandesgericht in Köln. Und von 1939 bis 1945 leitete er als Prokurist die pharmazeutische Tropon-Werke Köln. Nach dem 2. Weltkrieg erhielt Stein von der britischen Besatzungsmacht den Auftrag zur Gründung des Landesverbands Nordrhein der Chemischen Industrie und 1948 wurde er dann Geschäftsführer des Verbandes der Chemischen Industrie in der Bundesrepublik. Ab 1957 war Stein Hauptgeschäftsführer im Bundesverband der Deutschen Industrie, den er von 1963 bis 1968 als geschäftsführendes Vorstandsmitglied leitete. Parallel zu dieser Tätigkeit war er ebenso Gründungsmitglied und jahrelanges Vorstandsmitglied der Staatsbürgerlichen Vereinigung e.V., welche später in den 1980er Jahren in mehrere Parteispendenaffären verwickelt war. Zugleich saß Stein von 1961 bis 1972 für die CDU im deutschen Bundestag und nahm dort Funktionen im Wirtschaftsausschuss wahr. In diesem Zusammenhang wurde Stein daher von vielen Designern achtsam als einen „l’homme politique“ bezeichnet.

Parallel zu diesen Tätigkeiten gründete Stein 1951 zusammen mit Theodor Heuss den Kulturkreis im BDI, den er über mehrere Jahrzehnte leitete. Diese Vereinigung von westdeutschen Industriellen engagierte sich besonders bei der Förderung zeitgenössischer und NS-verfolgter Künstler. Stein selbst war ein ambitionierter Sammler und trug eine reichhaltige Sammlung an Gegenwartskunst in seinem Haus in Honrath bei Bergisch Gladbach zusammen. Seit 1958 übernahm er verschiedene Lehraufträge an der Kunstakademie Düsseldorf. Soweit es aus den Akten in Düsseldorf hervorgeht, scheint er vor allem Exkursionen für Studierende in nordrhein-westfälische Kunstmuseen oder zu sich nach Honrath angeboten zu haben. 1963 wurde er darüber hinaus zum Professor für die Soziologie der Künste berufen. Für den deutschen Bundestag gründete Stein eine eigene Kunstsammlung. Gleichzeitig förderte er den westdeutsch-israelischen Austausch und bereiste mehrmals das Heilige Land. Dabei setzte er sich Anfang der 1970er Jahre mehrmals für eine bundesdeutsche Designausstellung in Israel ein, die jedoch nie zu Stande kam. Einer der Gründe war, dass westdeutsche Industrieunternehmen Boykottaufrufe gegen ihre Waren fürchtete, wenn diese in Israel gezeigt werden würden. Neben diesem transnationalen Engagement war er zeitweise Vorsitzender der Freiherr von Stein-Gesellschaft, einem Vorfahren von ihm.

Gleichzeitig zu seinem Engagement für zeitgenössische Kunst beteiligte sich Stein bei drei Designinstitutionen. Er war Mitbegründer des Gestaltkreises im BDI 1965 und dort als Geschäftsführer besonders für die Spendenakquirierung sowie finanzielle Zuwendungen zuständig. In diesem Kreis kamen ähnlich wie im Kulturkreis westdeutsche Industrielle zusammen, die für verschiedene Designinstitutionen und -aktivitäten in der Bundesrepublik spendeten. Darüber hinaus war Stein beim Rat für Formgebung von 1968 bis 1973 als geschäftsführendes und später als normales Vorstandsmitglied aktiv. Dazu führte Stein ebenfalls ab 1969 das IDZ Berlin bis zur Berufung von François Burkhardt 1971 und saß auch dort in den zentralen Leitungsgremien. Als Jurist, Kaufmann, Politiker und Lobbyist besaß Stein keine praktischen Fähigkeiten im Designbereich, jedoch engagierte er sich vielfach für die sogenannte Designpolitik in der Bundesrepublik. Er bezog daher immer wieder zu designspezifischen Themen Stellung (konventionelle bzw. XML-basierte Design-Bibliographie) und setzte sich bei anderen Politikern für Aspekte der industriellen Formgebung über alle Parteigrenzen hinweg ein. Für eine bundesdeutsche Designgeschichte ist Stein deshalb wichtig, da er als Akteur bei vielen Designinstitutionen in den 1960er und 1970er Jahren tätig war. Neben Ernst Schneider und Philip Rosenthal war er einer der zentralen Persönlichkeiten an der Schnittstelle zwischen Politik, Wirtschaft und Design.

Ernst-Jörg Kruttschnitt hatte Gustav Stein daher als „Wirtschaftspolitiker, Parlamentarier, Kunst- und Designförderer [und als] ein Mann der Aufbaujahre der Bundesrepublik“ bezeichnet. 1 Stein verstarb 1979 auf der Jahressitzung des Kulturkreises in Lüneburg. Die Anzahl der Trauerbekundungen für Stein und deren prominenten Autoren ist beachtenswert:

von Bohlen und Halbach, Berthold (1979): Trauerrede für Gustav Stein, in: Gustav Stein zum Gedanken, hrsg. vom Bundesverband der Deutschen Industrie e.V., Köln.
Braun, Günter und Burkhardt, François (1979): Todesanzeige Gustav Stein, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, vom 26.10.1979.
Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (1979): Todesanzeige Gustav Stein, in: Handelsblatt, vom 24.10.1979.
Carstens, Karl (1979): Beileid zum Tode von Professor Stein, in: Bulletin des Presse- und Informationsamts der Bundesregierung, vom 26.10.1979.
Giachi, Arianna (1979): Ein Kunstfreund – Zum Tode von Gustav Stein, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, vom 23.10.1979.
von Hassel, Kai Uwe (1979): Trauerrede für Gustav Stein, in: Gustav Stein zum Gedanken, hrsg. vom Bundesverband der Deutschen Industrie e.V., Köln.
Kulturkreis im BDI und Gestaltkreis im BDI (1979): Todesanzeige Gustav Stein, in: Handelsblatt, vom 24.10.1979.
Rat für Formgebung (Hrsg.) (1979): Tätigkeitsbericht 1978-1979, Darmstadt.
Rosenthal, Philip (1979): Todesanzeige Gustav Stein, in: form (88), S. 79.
– (1979): Todesanzeige Gustav Stein, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, vom 26.10.1979.
Wagner, Herbert H. (1979): Eine großzügige Förderung für die gesamte Kunst, in: Handelsblatt, vom 23.10.1979.

Im Jahr 1983 wurde eine Mappe mit 34 Graphiken und einer Gesamtauflage von 150 Stück produziert. Sie trägt den Titel „Hommage à Gustav Stein“ und sollte als künstlerische Erinnerung an Steins lebenslanges Engagement verstanden werden.

Die Überlieferung zu Gustav Stein ist vergleichsweise schlecht. In dem Archiv für Christlich-Demokratische Politik, dem BDI-Archiv, dem Archiv des Deutschen Bundestags und dem Archiv der Kunstakademie Düsseldorf lassen sich zwar vereinzelt Quellen zu Stein finden, qualitativ und quantitativ sind diese jedoch vergleichsweise unbefriedigend. Ob ein persönlicher Nachlass von Gustav Stein existiert, ist leider nicht bekannt.

1) Kruttschnitt, Ernst Jörg (1973): Das Porträt: Stein – der anstieß, in: design report, vom 27.04.1973.

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Arianna Giachi: Die Design-Journalistin

Arianna Giachi (1920-2011) wurde in Davos geboren und studierte in München, Florenz und Freiburg Philologie. In Freiburg wurde sie bei Hugo Friedrich mit einer Arbeit Dante Alighieri promoviert. Nach dem 2. Weltkrieg kam sie 1946 als Literatur-Redakteurin zu der Zeitschrift „Gegenwart“. Seit 1958 lebte Giachi als freie Journalistin in Frankfurt am Main und übersetzte ungefähr 30 Bücher von Pavese bis Natalia Ginzburg aus dem Italienischen ins Deutsche.

Als freie Literatur- und Kunstkritikerin der FAZ kam Giachi seit Ende der 1950er Jahre mit dem aufkommenden Thema Design in Berührung, welches sie über Jahrzehnte kritisch begleitete. Besonders in den 1970er und 1980er Jahren verfasste Giachi für die FAZ viele Beiträge zu Designthemen in der Bundesrepublik. Hierbei besprach sie beispielsweise aktuelle Ausstellungen oder Buchprojekte die sich mit dem Thema ,Design‘ beschäftigten. Daher sind ihre Texte für designhistorische Darstellungen zur „Bonner Republik“ von großer Bedeutung. Denn Giachis Berichterstattung wurde unter den Zeitgenossen vielfach rezipiert und ihr Urteil war zum Teil „gefürchtet“. Ihre Beiträge bieten daher einen reichhaltigen Überblick zu Themen im westdeutschen Industriedesign der Zeit. Für eine Kurzbibliographie von Giachi zum Thema Industriedesign siehe diese Literaturlisten (fertige Bibliographie/XML-Ausgabe)

Neben ihrer publizistischen Arbeit engagierte sich Giachi beispielsweise im Werkbund und wurde 1970 erstmals in den Vorstand des Hessischen Werkbunds gewählt. Im Jahr 1972 untersuchte Giachi im Auftrag des Rats für Formgebung die angestoßenen Reformen der Designer-Ausbildung. Dieser sogenannte Giachi-Bericht zur postulierten „Designer-Ausbildungskrise“ bildete eine zentrale Diskussionsgrundlage für die Reform der Design-Curricula Mitte der 1970er Jahre.

1993 erhielt Giachi für ihre publizistische Lebensleistung den Preis des Deutschen Kunsthandwerks. Zusammen mit beispielsweise Elke Trappschuh und Gisela Brackert war Giachi eine der bekanntesten westdeutschen Designkritikerinnen. Arianna Giachi verstarb 2011 in Frankfurt am Main. Leider befindet sich kein persönlicher Nachlass von Giachi im Frankfurter Stadtarchiv, der ihre Verdienste für die historische Forschung zugänglicher machen würde.

Neues zur Typographie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – Zwei lesenswerte Dissertationen zum Graphik-Design

In der Zwischenkriegszeit kam es im Bereich des Graphik-Designs zu einer neuen Stilrichtung. In der turbulenten Zeit nach dem 1. Weltkrieg entwickelte sich im deutschsprachigen Raum die sogenannte Neue Typographie. Zuerst versuchten bildende Künstler wie beispielsweise der Bauhäusler László Mohoy-Nagy das Genre der Gebrauchsgraphik zu einer Kunstform zu erheben. Typographen wie beispielsweise Jan Tschichold nahmen solche Ideen auf und versuchten daraus ein eigenes Zeichensystem zu entwickeln.

Symbolbild: Arbeitsplatz des Grafikers und Buchillustrators Prof. Werner Klemke in Berlin-Weißensee, Bundesarchiv, 183-Z0107-019, Katja Rehfeld, Katja, CC-BY-SA 3.0

Ziel war es für die Produktion von Druckgraphiken Thesen zu formulieren, durch welche die graphische Gestaltung von Druckerzeugnisse an die veränderten, besonders die beschleunigten Drucktechniken angepasst werden konnten. Es sollten dabei idealiter beispielsweise nur vergleichsweise wenig Schriftarten verwendete. Die Graphik-Designer erhofften sich dadurch etwa einen einheitlicheren Satzspiegel. Insgesamt lässt sich daher das erste Drittel des 20. Jahrhunderts als eine Phase der Selbstkonstituierung der graphischen Berufe in Deutschland interpretieren.

Zwei lesenswerte Dissertationen zu dieser Entwicklung in der Designgeschichte sind in jüngerer Zeit erschienen. Daniela Stöppel analysiert in ihrer Arbeit von 2014 visuelle Zeichensysteme der Avantgarden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.1 Julia Meer hinterfragt während dessen die Neue Typographik anhand den publizistischen Äußerungen ihrer Akteure.2

Die Münchner Kunsthistorikerin Daniela Stöppel untersucht in ihrer Arbeit die visuellen Zeichensysteme bei gestalterischen und ideologischen Diskursen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie zeigt dabei wie Künstler nach 1900 versuchten universelle Zeichensysteme zu entwickeln. Ein Beispiel hierfür sind etwa Mondrian, Malewitsch und Kandinsky für das abstrakte Bild als elementares Zeichensystem. Besonders im drittel Kapitel über „Zeichensysteme der visuellen Kommunikation“ geht Stöppel auf Aspekte der Designgeschichte ein und beschäftigt sich etwa mit den Arbeiten von Walter Dexel sowie den Akteuren am Bauhaus und Hans Burchartz. Besonders gelungen ist hierbei der Blick nach Osten, der von der „üblichen“ eurozentrischen Perspektive vieler Untersuchen abweicht. Dank der Analyse der sowjetischen Entwicklungen kann Stöppel eine Brücke schlagen hin zu den Entwicklungen, welche die Graphiker in Mitteleuropa zeitgenössisch prägten. Besonders erwähnenswert ist auch die äußerst gelungene graphische Gestaltung der ganzen Publikation, die im Verlag Silke Schreiber erschienen ist.

Die Berliner Kommunikationsdesignerin Julia Meer verspricht in ihrer Dissertation einen neuen Blick auf die Neue Typographie der 1920er Jahre. Ihre zentrale These ist hierbei, dass die „Neue Typographie“ für die Zeitgenossen wirklich neu war. Ebenso wurde diese neue Art der graphischen Gestaltung nicht etwa wegen einem vermeintlichen Bezug zur Moderne abgelehnt. Die wesentlichen Akteursgruppen sind hierbei die Protagonisten des Graphik-Designer. Diese Profession begann sich in Deutschland ungefähr nach der Jahrhundertwende zu professionalisieren, was Meer als roten Faden für ihre Studie ausgewählt hat. Besonders die Rezeptionsgeschichte zum Graphik-Design der Zwischenkriegszeit und gewissermaßen eine „Ent-Mystifizierung“ der Rolle Tschicholds empfand ich als lesenswert.3 Dass die Studie lediglich basiert auf Fachzeitschriften basiert, hat mich als Zeithistoriker überrascht, da ich beim Lesen der Arbeit mehr Archivrecherchen erhofft habe. Besonders in einer föderalen Staatlichkeit ließen sich beispielsweise bei Gewerkschaften, Gewerbeämtern, oder Unternehmensverbänden noch Punkte ergänzen können. Nichtsdestotrotz ist Meers Dissertation auf inhaltlicher und sprachlicher Ebene äußerst lesenswert. Die Mystifizierung und Selbstdarstellung von Akteuren zu dekonstruieren, kann auch in der Designgeschichte äußerst spannend sein.

 

1 Daniela Stöppel, Visuelle Zeichensysteme der Avantgarden 1910 bis 1950. Verkehrszeichen, Farbleitsysteme, Piktogramme, München 2014, Silke Schreiber Verlag, zugl. Diss. Ludwig-Maximilians-Universität München 2008.

Julia Meer, Neuer Blick auf die Neue Typographie – Die Rezeption der Avantgarde in der Fachwelt der 1920er Jahre, Bielefeld 2015, zugl. Diss. Bergische Universität Wuppertal.

Zum Punkt „Ent-Mystifizierung“ sei auch ein Querverweis auf ein Buchprojekt von Meer zur Bedeutung von Frauen in der Designgeschichte erlaubt: „Women in Graphic Design 1890-2012“, hrsg. von Gerda Breuer und Julia Meer, Berlin 2012.

An IT-Revolution in the Graphic Design after the 1970s?

The so-called computerization of the western societies at the beginning of the 1970s shaped many social subregion. But concerning the work of the graphic designers in the three decades until the new millennium it was a far-reaching change. Some has argued – and in my point of view this would be an outstanding thesis for a research project – that this was a revolution for the profession of the graphic designer.

First civil constructions for design with computers where made in the USA and Western Europe in the 1960s. This so-called „Computer Aided Design“ was in the 1960s widely discussed i.e. under the West-German industrial designer for finding new ways in the production design. Anyhow not before the 1980s CAD was used in this way. Even some are arguing that this way of developing design by computers came in the factories not before the 1990s. So it was a long way to go until the industrial designers used CAD in their daily working life.

In contrast to that the neighbor profession of the graphic designer was highly affected by this computerization. So looking at this, it is easy to argue that this all changes the workflow of the graphic designer totally in the time from the 1970s to the end of the 1990s. Even before the Time Magazine elected the personal computer as „man“ of the year in 1982, the work support by microchips changed a lot in the graphic fields. First typewriters with electronic assistants started modifying the way of writing not only in offices. With the appearance of first personal computer i.e. the development of new fonts or the printing technics were not anymore a secret knowledge to only a few anymore. Not the airbrush, pencil and ruler was the standard equipment, the PC was the new tool for all graphic designer.

The project „Graphic Means“ lead by Briar Levit at the Portland State University is planning a film about this transformation of work in graphic design. As the trailer shows, this film project wants to demonstrate these revolutionary changes with original cinematic material as well as with different eyewitnesses.

“Design for City Environment” – The Interdesign Seminar 1980 in Tbilisi

The idea of a city as an environment for living came on the agenda of the designers during the 1970s. This was connected for the designer with an interdisciplinary approach, especially with architects and city planners. One prominent example for this is an international seminar in Georgia in the fall 1980.

The seminar “Design for City Environment” was held from the 6th to the 18th October 1980 in Tbilisi. It was organised within the seminar series by the Soviet VNIITE in cooperation with the ICSID, the IAA (International Association of Art), the ISOCARP (International Society of City and Regional Planners), the ICOGRADA (International Council of Graphic Design Associations), the ICOMOS (International Council of Monuments and Sites), the IFI (International Federation of Interior Designers), the IFLA (International Federation of Landscape Architects), the UIA (International Union of Architects) and the WCC (World Crafts Council).1

The 34 participants came from the USSR and from Western countries.2 The professions were widely mixed, thus designers, architects, and met in the capital of the Georgian Soviet Republic at the regional office of the VNIITE. Tbilisi itself was chosen because of a number of its features: there was a combination of a national tradition as well as modern architecture. The city was with over a million inhabitants hugh and had a situation with special climatic conditions.3

View via Tbilisi, Lotkini is in the center behind the trinity cathedral

The interdesign seminar had the aim to find methods to build the environment of a big city within an urban growth and a massive increase of population.4 To study such questions the participants looked at the Lotkini district in Tbilisi (ლოტკინი), were 17 000 new accommodations were planned. During the interdesign the (international) experts tried to find answers on functional, aesthetic, and socio-cultural problems. Questions like the functional organization of a district, the public services, greenery, design and visual communication, and applied arts. The designer especially looked for aspects on graphic design, secondary architecture, and usability. At the end of the seminar the participants submitted a general concept for the district development for housing, industrial complexes, transport infrastructure, and public spaces.5

View via Tbilisi

The “Interdesign 1980” was the first seminar with international and interdisciplinary cooperation, which tried to solve problems of building a human environment. Furthermore it was a kind of opening for the Soviet Design authorities – like the VNIITE with Yuri Soloviev – to Western experts.6 But this seminar also showed also how limited the possibilities of ideas and plans were. At least only few points from the interdesign seminar found their way into the Lotkini district.

1 Unbekannt (1980): „Stadt-Design“ als Interdesign-Seminar in Tbilissi vom 6. bis 18. Oktober 1980, in: form (90), p. 80.

2 Belgium, Bulgaria, Czechoslovakia, Finland, France, Great Britain, GDR, Hungary, Italy, Norway, Poland, Switzerland, Venezuela and the Soviet Union.

3 Unknown (1980): Interdesign ’80 Tbilisi/USSR, in: ICSID-News (November/December), pp. 2-3.

5 Like footnote 3.

6 For further reading Tom Cubbin’s article (https://academic.oup.com/jdh/article-abstract/30/1/16/2623682/Postmodern-Propaganda-Semiotics-environment-and?redirectedFrom=fulltext) and Yulia Karpova’s PhD thesis from 2015 (www.etd.ceu.hu/2015/karpova_yulia.pdf), pp. 328, are an excellent starting point.

Industriedesign und Kunst auf der documenta in Kassel

Heute eröffnet mit der documenta XIV eine der wichtigsten Ausstellungen für zeitgenössische Kunst. Auch für die Designgeschichte in der Bundesrepublik war diese Ausstellungs-Serie zwischen den 1960er und 1990er Jahren immer wieder eine hervorgehobene Bedeutung.

Die 1955 erstmals ausgerichtete documenta verstand sich während der sogenannten Wiederaufbauphase der Bundesrepublik besonders für zeitgenössische Kunst. Auf der documenta III im Jahr 1964 wurde erstmals auch ,Design‘ präsentiert. Denn parallel zu der regulären Ausstellung zeigten Arnold Bode und seine Mitorganisatoren in der Räumen der Werkkunstschule Kassel Arbeiten aus den Themenbereichen ,Graphik‘ und ,Industrial Design‘. Die Verwendung eines anglo-amerikanische Begriff für die industrielle Formgestaltung war damals in der Bundesrepublik relativ neu. Neben Werke von damals schon international bekannten Gestaltern wie Mies van der Rohe, Arne Jacobsen, Charles Eams und Gerrit Rietveld wurde ebenfalls Arbeiten aus dem bereich des technischen Industriedesigns gezeigt. Hierbei wurden Investitionsgüter, Brücken und Büromaschinen von Marcello Nizzoli, Eliot Noyes oder Klaus Flesche ausgestellt. Für den Kurator und damaligen Leiter der Neuen Sammlung München Hans Eckstein war bei dieser Präsentation besonders wichtig, dass bei der Gestaltung von Gebrauchsgegenständen eben keine ,Kunst‘ angewendet werde sondern vielmehr eine sogenannte Ingenieurskunst wirken müsse.1

Eine solche Darstellung wie von Eckstein war Mitte der 1960er Jahre für zeitgenössische Designdiskurse nicht untypisch, betonten doch beispielsweise die Dozent_innen und Studierende der HfG Ulm, dass Design eben keine Kunst sei. Als Konsequenz daraus wurde ,Design‘ in Kassel die nächsten beiden Jahrzehnte nicht mehr gezeigt. Arnold Bode versuchte zusammen mit Robert Gutmann 1972 ,Design-Expo‘ in West-Berlin zu organisieren. Grundgedanke hierfür war es parallel zu den olympischen Spielen 1972 in München und der documenta V eine international ausgerichtete Präsentation zur Produktgestaltung zeigen zu können. Nach internen Probleme bei der Organisation übernahm Herbert Lindinger im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft die weitere Planung der ,Design-Expo‘. Letztlich wurde das Projekt aber durch die sowjetische Militärverwaltung gestoppt, die eine solche internationale Ausstellung der Bundesrepublik in West-Berlin als eine Neutralitätsverletzung des Status von Berlin sah.

Bei der documenta VI im Jahr 1977 wurde dann Gerhard Bott, damals Generaldirektor der Kölner Museen, mit einer Design-Ausstellung in Kassel parallel beauftragt. Seine Präsentation „Utopisches Design“ erschien beispielsweise der Designjournalistin Elke Trappschuh jedoch schlicht verwirrend und teilweise fehlgeleitet.2 Es war daher wenig verwunderlich, dass diese Darstellung von Produktgestaltung von den zeitgenössischen Designern kaum wahrgenommen wurde.

Erst im Jahr 1987 zeigte die documenta VIII wieder Design. Beauftragter hierfür war Michael Erlhoff, der später fachlicher Leiter des Rats für Formgebung und dann Professor für Designtheorie in Köln werden sollte. Im Kontext von postmodernen Gestaltungsdebatten, die seit dem „Design-Forum Linz“ von 1980 die Profession prägte, verschwammen wieder die Grenzen zwischen ,Design‘ und ,Kunst‘. In seinen fünf Thesen zum Design betonte Erlhoff daher auch, dass „von seiten der Kunst wie von seiten des Design die Abgrenzungen zwischen beiden Bereichen ins Wanken“ geraten seien.3 Akteure wie Stefan Wewerka die bewusst an der Schnittstelle zwischen beiden Teilbereichen agierten, symbolisierten solche Perspektiven recht anschaulich.

Pavillon von Stefan Wewerka für die documenta VI, Photographie von Rüdiger Wölk, CC BY-SA 2.5

Die Anwesen- und Abwesenheit von Produktgestaltung auf der Kasseler documenta ist daher ein anschaulicher Indikator dafür, wie das Verhältnis von Design und Kunst von zeitgenössischen Akteuren zwischen den 1960er und 1990er Jahren immer wieder neu gedacht und verhandelt wurde.
1) Hans Eckstein (1964): Unsere Gegenstände – Zur Eröffnung der Design-documenta, in: form (27), S. 2.
2) Elke Trappschuh (1977): documenta 6: „Utopisches Design“, in: form (79), S. 40.
3) Michael Erlhoff (1987): 100 Tage in Kassel: Kunst und Design zur d8, in: form (118), S. 22.

Der, design report‘ des Rats für Formgebung

Am 20. September 1972 erschien die erste Ausgabe des ,design reports‘. Als Pressedienst des Rats für Formgebung sollte damit ein Kommunikationsorgan geschaffen werden, welches über designspezifische Themen in der Bundesrepublik und der Welt berichtete.

Im Auftrag des ehemaligen DHIT-Präsidenten und damaligen Vorsitzenden des Rats für Formgebung Ernst Schneider wurde 1969 der Vorschlag von Ernst-Jörg Kruttschnitt im RfF-Vorstand behandelt, einen monatlichen Design-Pressedienst zu konzipieren. Der Leiter der Informationsabteilung im DIHT entwarf dabei das Konzept, sodass sich der ,design report‘ zuerst als Pressedienst für nationale sowie lokale Zeitungen und Zeitschriften verstand. Hauptziel waren die jeweiligen Wirtschafts- und Feuilletonredaktionen. Daneben sollten Bundestagsabgeordnete und sonstige interessierte Kreise beliefert werden. Aus diesem Grund waren bis 1985 viele der Texte häufig in der Form von Kurznachrichten verfasst. Selten ging ein Bericht länger als zwei Seiten. Denn aus Sicht der Redaktion bestand so die Hoffnung, dass kürzere Texte wahrscheinlicher von der Presse übernommen und gedruckt wurden.

Zuerst lief das Projekt intern unter dem Titel „du-Report“, wobei hier noch Design und Umwelt zusammen im Pressedienst abgedacht werden sollten. Da in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre bis zur ersten Ölpreiskrise 1973/74 das Schlagwort ,Umweltgestaltung‘ vielfach in designspezifischen Debatten benutzt wurde, war die Verwendung der beiden Schlagwörter zuerst nichts ungewöhnliches. Da man jedoch eine Verwechslungsgefahr mit einer gleichlautenden Schweizer Zeitschrift sah, entschied man sich im Rat für Formgebung für den späteren Titel ,design report‘.

Mitte 1971 wurde Kyra Stromberg mit dem Entwurf einer Null-Nummer beauftragt. Nachdem der Vorstand des Rats für Formgebung seine Zustimmung und das Bundeswirtschaftsministerium die entsprechenden Gelder bewilligte, konnte der ,design report‘ im Spätsommer 1972 erscheinen. Die Redaktion übernahmen dabei Ernst-Jörg Kruttschnitt und dessen Mitarbeiterin Dr. Gerda Wülker in Bonn. Der Pressedienst erschien monatlich, kostenlos und hatte Ende 1973 schon eine Auflage von ca. 1.350 Exemplaren.1

Im Jahr 1974 kam es zu einer Neukonzeption des ,design reports‘ durch Gisela Brackert. Als Journalistin und im Rat für Formgebung für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, entwickelte sie den Pressedienst im Auftrag des Vorstands weiter. Ab 1975 wurde der ,design report‘ daher in Darmstadt entworfen und bearbeitet. Gleichzeitig beauftragte man auf der Mathildenhöhen eine Graphik-Designer mit einer optischen Aufwertung. Denn der Pressedienst erschien bis dahin vergleichsweise schlicht und eher zweckdienlich. Der Hintergrund war, dass der ,design report‘ zunehmend als Visitenkarte des Rats für Formgebung gesehen wurde und damit größeren Ansprüchen genügen musste.2

Da das Bundesministerium für Wirtschaft ab 1982 die finanziellen Mittel für den Rat für Formgebung wesentlich einschränkte, mussten dort zunehmend Design-Dienstleistungen und das Mitarbeiterpersonal reduziert werden. Ab 1985 konnte daher der Rat den ,design report‘ nicht mehr kostenlos zur Verfügung gestellen werden. Da jedoch nur wenige Abonnenten bereit waren für diesen Service zu zahlen, sahen sich der damalige fachliche Leiter Ulrich Kern gezwungen, diesen Pressedienst vorerst einzustellen.

Im Kontext von weitreichenden Umstrukturierungen beim Rat für Formgebung, einem Umzug nach Frankfurt am Main und mit der Neuberufung von Michael Erlhoff als fachlicher Leiter und Geschäftsführer gelang es auch den ,design report‘ wieder aufleben zu lassen. Die Publikationart wurde dabei wesentlich geändert, denn nun erhielt der ,design report‘ zwar den Zusatz ,Bulletin des Rats für Formgebung‘, er sollte aber nicht mehr als internes Mitteilungsblatt fungieren. Vielmehr rief Erlhoff auch Autoren außerhalb des Rats dazu auf Texte, Kritiken und Anregungen einzureichen.3

Der ,design report‘ ist neben der Zeitschrift ,form‘ und der werkbundeigenen ,Werk und Zeit‘ das zentrale Periodika für eine bundesdeutsche Designgeschichte. Zu allen wesentlichen Debatten und Entwicklungen nach 1972 wurde dort berichtet. Daher ist der, design report‘ für die designhistorische Forschung eine kaum zu überschätzende Quelle. Keine designbezogene Geschichtsschreibung kommt ohne diese Zeitschrift aus. Leider gibt es bis heute – im Gegensatz beispielsweise zur ,form‘ oder ,form + zweck‘ – kein Digitalisierungsprojekt zur Erschließung dieses Literaturbestands.

1) Rat für Formgebung (Hrsg.) (1973): Tätigkeitsbericht 1973, Darmstadt, S. 14.
2) Gisela Brackert (1975): In eigener Sache, in: design report (4), S. 5.
3) Rat für Formgebung (Hrsg.) (1988): Lexikon 1987 – Ein Tätigkeitsbericht, Frankfurt, S. 42f und ebenso Elke Trappschuh (1987): Der Rat für Formgebung wurde wiederbelebt, in: Handelsblatt, vom 27.02.1987.

 

[aktualisiert am 24.01.2018]